Nach
wie vor ist es für viele Menschen, egal mit welcher Partei sie
sympathisieren, eine soziale Ungerechtigkeit, dass in der
Bundesrepublik Deutschland seit Jahren nicht nur die gesetzliche
Möglichkeit gegeben ist, sondern auch im Alltagsleben unterschiedlicher
Lohn für die gleiche Arbeit in ein und dem selben Betrieb gezahlt wird.
Festgeschrieben ist diese Möglichkeit der ungleichen
Lohnzahlung im Arbeitnehmerüberlassungsgesetz. Knapp drei Prozent aller
sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland sind
Leiharbeiter, das entspricht ungefähr 1'000'000 Menschen. Leiharbeiter
leben per definitionem in einer ständigen Unsicherheit, weil sie nicht
wissen, wie lange ihr derzeitiges Arbeitsverhältnis noch andauert.
Leiharbeiter leben in einer ständigen Unsicherheit. Familienplanung sind unter derartigen Bedingungen nicht möglich. | Familienplanung
oder auch der Erwerb einer Immobilie sind unter derartigen Bedingungen
nicht möglich, weil kaum eine Bank bereit ist, eine entsprechende
Hypothek oder auch einen Kredit zu gewähren. Im Betrieb ist man der
Lückenbüßer, der zweitklassige Arbeitnehmer, man
gehört einfach nicht dazu.
| Freundschaften entwickeln sich hier
wesentlich seltener als bei einer Festanstellung. „Man ist als
Zeitarbeiter eben nur Ware, kein Mitarbeiter, kein Mensch“ (Zitat einer
Betroffenen). Welche Rolle spielt Leiharbeit denn für Unternehmer?
Spielt die fehlende Identifikation des Arbeitnehmers mit dem Betrieb
bei Leiharbeitern für das Betriebsergebnis eine derart nachgeordnete
Rolle, sodass Unternehmer auf diese nicht messbare
Qualitätsverbesserung der Arbeit ohne weiteres verzichten können?
Oder
sind die Angst und der Druck bei den Leiharbeitern heute so groß, dass
diese Überlegungen heutzutage keine Rolle mehr spielen? Gilt der Satz „
Das wichtigste Kapital eines Betriebes für einen dauerhaften Erfolg ist
engagiertes Personal, das zu seinem Betrieb steht.“ heute nicht mehr?
Aber
in der heutigen Gesellschaft definieren wir unser Selbstwertgefühl ganz
wesentlich über unsere Stellung im Arbeitsleben. Für die meisten
Menschen ist die Erwerbstätigkeit auch das zentrale sinnstiftende
Element in ihrem Leben. Hinzukommt, dass nur die Erwerbstätigkeit zur
Teilhabe am konsumorientierten gesellschaftlichen Leben befähigt, denn:
„Ohne Moos nix los!“ |